Chor St. Martin begeht 125-Jahr-Jubiläum mit Festgottesdienst

Gemischter Chor, Cäcilienverein, Kirchenchor St. Martin, Chor St. Martin: vier Namen für eine Institution, die seit 1882 (Vereins-) Geschichte schreibt. In jener hohen Zeit der Vereinsgründungen hoben vier Herren und sieben Töchter den Gemischten Chor Hochdorf zur Hebung des Kirchen- und Volksgesanges und zur Pflege des gesellschaftlichen Lebens aus der Taufe. Heute zählt der Chor St. Martin stolze 52 Mitglieder, und auch im Jahr 2007 bereichert er das Pfarreileben nach den vor 125 Jahren formulierten Zielen.
Es ist anzunehmen, dass zivilstandsmässig die vier Gründerherren den heutigen Sängern in etwa entsprachen. An die Stelle der unverheirateten jungen Töchter sind jedoch längst bestandene Frauen getreten, und nichts deutet mehr darauf hin, dass die Sängerinnenproblematik immer wieder Anlass zu heftigen Auseinandersetzungen gab. Noch 1932 wurde die vom Vorstand dem Verein vorgelegte Frage zur Aufnahme von verheirateten Frauen deutlich verneint. Die Neinsager hatten sich indessen keineswegs als Ewiggestrige zu fühlen, stand doch im „Chorwächter“, dem Verbandsorgan der Cäcilienvereine, schwarz auf weiss: „Das kirchliche Gesetz schliesst alle Sängerinnen aus. In der Praxis sind sie aber zugelassen, weil man nicht vorn im Chor, sondern auf der Empore an der Rückwand der Kirche singt.“ Es sei aber ein Unterschied zu machen zwischen ledigen und verheirateten Frauen. „Die Familienmutter hat höhere Pflichten. Ausnahmen sollen nur bei besonderen Verhältnissen gestattet werden.“
Man weiss es ja: Die „gute alte Zeit“ gehört ins Reich der Verklärungen. Das ist bei unserem Chor nicht anders. Beim Lesen der zum 100-jährigen Jubiläum von Paula Zemp verfassten Chronik erlebt man ein Gemisch von Hochs und Tiefs, das dem Choralltag erst seine Würze gibt. So errang der Gemischte Chor 1884 unter der neuen Vereinsfahne seinen ersten Lorbeerkranz, stand aber schon ein paar Jahre später  - heute unvorstellbar - wegen fehlender Unterstützung durch Pfarramt und Kirchenrat knapp vor der Vereinsauflösung. Als musikalischer Glücksfall anzusehen war das frühe Zusammenwirken mit dem Orchesterverein, eine Wertung jedoch, die im Jahr l911 aufgrund „miserablen Probenbesuchs“ relativiert werden musste. Die Folge war, dass es bei der Aufführung der Orchestermesse „eine Fügung des Himmels“ war, „wenn Chor und Orchester gleichzeitig fertig geworden sind.“ Der Probenbesuch gab überhaupt in schöner Regelmässigkeit Grund zur Klage und 1894 Anlass zu drakonischen Massnahmen in Form von Bussengeldern, die „per Brief und Betreibungsbeamten eingezogen werden sollen“ (20 Cts für unentschuldigte Absenz, 10 Cts für viertelstündiges Zuspätkommen). Die Mitgliederzahl pendelte lange Jahre zwischen 20 und 40, überschritt in den Dreissiger- und Vierzigerjahren, der Blütezeit der Kirchenchöre, unter Direktor Haberthür mehrmals die magische 50, sackte in der Nachkriegszeit empfindlich ab, konnte aber in der Direktionszeit von Hans Jans (1963-93) auf beachtlicher Höhe stabilisiert werden. Dank seines nimmermüden, selbstlosen Einsatzes und seiner grossen fachlichen Fähigkeiten, aber auch dank der Arbeit des Vorstandes unter den langjährigen Präsidien eines Albert von Wartburg, Josef Leisibach und Martin Fuchs fand die oft beklagte Krise der Kirchenchöre in Hochdorf nicht statt, so dass 1993 Martin von Matt einen bestandsmässig und musikalisch achtbaren Chor übernehmen konnte. Das sprichwörtlich gute Wischen neuer Besen hält oft nicht lange vor. Bei Martin dauert es nun seit 15 Jahren an. Ob im eigentlichen Chor, in der Choralschola oder der Gospelgruppe - es ist eine Freude unter ihm zu singen. Und die Mitgliedschaft in einem vom Präsidentinnengespann Ancilla Belleri/Jolanda Oberholzer geführten Verein ist eine willkommene Wohlfühlzugabe.
Nun freuen wir uns auf den Festgottesdienst am Martinstag, den wir zum offiziellen Jubiläumstag bestimmt haben. Für einmal werden wir nicht an der Kirchenrückwand, sondern – erlaubterweise – zusammen mit Instrumentalisten und Solisten vor dem Chorraum musizieren. Wer ein Event erwartet, bleibe zu Hause. Wer sich für ein tiefes religiös-musikalisches Erlebnis öffnen kann, streiche den 11. 11. rot an.


Werner Halder




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