Kein Gebäude, sondern Menschen

Im Gespräche mit Mitgliedern der Projektorganisation des Pastoralraumes
(vl.: Pirmin Baggensos, Luzia Wyss, Roland Häfliger, Bernadette Bühler und Judith Zen Ruffinen)

Vier Pfarreien, ein Pastoralraum: Die Herausforderung besteht darin, im Grossen die Chancen der Zusammenarbeit zu nutzen, im Kleinen aber das Pfarreileben vor Ort weiterhin persönlich zu gestalten.

Pastoralraum ist ein noch wenig bekannter Begriff. Müssen Sie ihn in Ihrem Umfeld erklären?
Judith Zen Ruffinen: Er ist kirchennahen Personen geläufig. Es haben aber schon Leute gefragt, wo denn dieser Raum sei...
Roland Häfliger: Es ist meine Aufgabe, die neue Struktur zu erklären. Die Kirche organisiert sich grossräumiger und macht die Zusammenarbeit unter den Pfarreien verbindlicher.

Betreibt die Kirche Organisationsentwicklung?
Häfliger: Ja. Wobei der Anstoss nicht von uns kam. Pastoralräume zu bilden ist vielmehr eine Vorgabe des Bistums. Start war Ende 2006, 2009 lag der Richtplanentwurf vor, und als 2011 in Römerswil der Gemeindeleiter und in Kleinwangen der Pfarrer zurücktrat, war dies für uns der Zeitpunkt, in das Projekt einzusteigen. Wir haben nun ein Konzept, Ziele formuliert und Prioritäten gesetzt; wir wissen auf dem Papier, wie wir Synergien nutzen und Freiräume gewinnen wollen. Jetzt muss sich dies alles im Alltag erst bewähren.
Zen Ruffinen: Eigenständiges Pfarreileben zu gestalten ist ein Wunsch, der einer Kräfte bündelnden Organisation entgegensteht. Persönlich kann ich mich nur dann in der Kirche einsetzen, wenn ich in Verbindung zu Menschen bleibe, die in der Pfarrei arbeiten, ob professionell oder ehrenamtlich. Das bedingt eine Präsenz von arbeitenden Menschen im kleinen Raum Pfarrei. Das Pfarreileben findet im Alltäglichen statt, und die Beziehungen zwischen freiwilligen und professionellen Mitarbeitenden müssen gepflegt werden können.

Wo in den einzelnen Pfarreien kann man die Kräfte bündeln? Was wird auf Ebene Pastoralraum geplant?
Bernadette Bühler: Zum Beispiel wird
das Gottesdienst-Angebot kleiner.
Häfliger: Wir stimmen die Zeiten aufeinander ab, sodass die Seelsorgenden ihre Predigten in mehreren Pfarreien halten können. Das unterstützt diese, macht den Pastoralraum erlebbar und das Team erhält ein Gesicht, weil man uns an veschiedenen Orten trifft.
Lucia Wyss: Ich finde es sehr schön, dass der Religionsunterricht künftig in Hohenrain und Kleinwangen gemeinsam stattfindet. Das gab es vorher nicht.
Pirmin Baggenstos: Dies hat aber nicht direkt mit dem Pastoralraum zu tun...
Bühler: ...sondern mit den Klassengrössen.
Baggenstos: Vorläufig geht es um die eigentliche Seelsorge. Später aber können die Kirchgemeinden und Pfarreien sicher weitere Schritte prüfen und sich fragen, ob nicht weitere Felder der Zusammenarbeit möglich sind, zum Beispiel beim Religionsunterricht. Für diesen Prozess dürfen wir uns aber Zeit nehmen. Der Pastoralraum beschneidet die Autonomie der Kirchgemeinden nicht.

In welchen Bereichen gibt es neue Möglichkeiten, in welchen sind Abstriche denkbar?
Bühler: Mehr Gemeinsamkeit ist in der Erwachsenenbildung möglich, darauf freue ich mich. Eine Pfarrei oder Gruppe, die einen guten Kurs anbietet, soll unbedingt den Schritt über die eigenen Grenzen wagen. Dies setzt allerdings Mobilität voraus.
Wyss: Man kann in einem Dorf doch Fahrgemeinschaften bilden.
Zen Ruffinen: Bei jüngeren Leuten ist der Pastoralraum eine Chance. Ältere hingegen, die wir ja in den Gottesdiensten und Veranstaltungen noch antreffen, werden eher nicht in die anderen Dörfer gehen.
Bühler: Es ist wichtig, gewisse Angebote weiterhin vor Ort zu pflegen, die Seniorenarbeit zum Beispiel.
Baggenstos: Bei Gesprächen habe ich öfters Verlustängste wahrgenommen. Wir müssen kleine Schritte gehen, die keine Verletzungen bewirken. Was noch umgesetzt werden kann – oder eben muss – entscheiden nicht zuletzt die Finanzen und ob das künftige Personal vorhanden ist.
Häfliger: Der Pastoralraum ist kein Gebäude, das sind wir Menschen. Ich bin überzeugt, dass die ersten Massnahmen zu Begegnungen führen wer-den. Es wird jene Dynamik entstehen, die schon in der Begleitgruppe spürbar war.
Sie sind der einzige Priester im Pastoralraum. Wie beugen Sie vor, dass Sie nicht in Management-Aufgaben versinken?
Häfliger: Administrative Aufgaben gehören zu meiner Leitungsfunktion. Ich verspreche mir allerdings viel von der neuen Gottesdienstordnung.
Baggenstos: Der priesterliche Dienst soll im Mittelpunkt stehen. In der Administration können ihn die Sekretariate entlasten.
Häfliger: Der grössere Raum macht die Arbeit zwar komplexer, die Führungsarbeit kann aber besser gebündelt werden.

Der Pastoralraum ändert in Hochdorf weniger als in den drei anderen Pfarreien – richtig?
Bühler: Die Gefahr besteht, dass sich das kirchliche Leben künftig stark nach Hochdorf richtet.
Baggenstos: Auch für unsere Pfarrei ändert sich Grundlegendes. Roland Häfliger ist nicht mehr nur Pfarrer von Hochdorf, sondern des ganzen Pastoralraumes.
Wyss: Es ist wichtig, gewisse Dienstleistungen und Angebote in den jeweiligen Pfarreien zu belassen...
Häfliger: ...aber es ist niemand aus dem Seelsorgeteam nurmehr für eine Pfarrei da.

Würden die angesprochenen Veränderungen nicht ohnehin anstehen – aus Personalmangel?
Baggenstos: Ich glaube schon. Ich wünschte mir deshalb von allen Seiten eine offenere Kommunikation. Wir spüren den Personalschwund ja auch stark und müssen schauen, dass der Pfarrer nicht von Administrativ-aufgaben überhäuft wird, sondern seiner pastoralen Arbeit nachgehen kann.
Häfliger: Wir hatten in der Konzeptarbeit zu wenig Mut, dies oder jenes Angebot aufzugeben, um uns Freiräume zu schaffen und damit wir uns nicht übernehmen. Ich werde den Mut haben, gewisse Dinge einheitlicher zu gestalten. Zu meinem und dem Schutz der Mitarbeitenden.

Wie lief die Zusammenarbeit in der Planung?
Wyss: Ich habe das Miteinander als sehr wertvoll erlebt. Es haben alle am gleichen Strick gezogen.
Häfliger: Ein Ringen war das Zusammenspiel zwischen den ungleich ­grossen Pfarreien. Toll sind die konkreten Ergebnisse wie zum Beispiel das gemeinsame Pfarreiblatt.
Baggenstos: Es waren lange Sitzungen in der Arbeitsgruppe Zusammenarbeit Kirchgemeinden. Wenn es um die Finanzen und Verantwortlichkeiten geht, gibt es harte Diskussionen und die unterschiedlichen ­Grössen der beteiligten Partner machten das Projekt für alle Beteiligten anspruchsvoll. Ich freue mit aber, dass wir uns in allen Punkten einigen konnten und bin überzeugt, dass es heute für alle stimmt.

Dominik Thali





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